Afghanistan
Afghanistan

- Lizette Potgieter/medica mondiale
In Afghanistan hat sich die Sicherheitslage in den letzten acht Jahren trotz internationaler Militärpräsenz immer weiter verschlechtert. Die Zahl der Opfer steigt, die Armut nimmt zu und die Akzeptanz des militärischen Engagements der internationalen Gemeinschaft sowohl in der afghanischen Bevölkerung als auch in den westlichen Bündnisländern sinkt.
Auch in Deutschland wird auf der politischen Ebene verstärkt über einen Strategiewechsel in Afghanistan diskutiert, insbesondere nach der durch die Bundeswehr befohlenen Bombardierung von Tanklastern in der Nähe von Kunduz in Nord-Afghanistan im September 2009.
Trotz der international vorherrschenden Erkenntnis, dass der Krieg in Afghanistan militärisch nicht zu gewinnen ist, dreht sich die Gewaltspirale im Land weiter. Der notwendige Strategiewechsel hin zu einem verstärkten, von den Afghanen selbst bestimmten zivilen Aufbau, ist bisher ausgeblieben.
Die Frage des Strategiewechsels berührt auch das Verhältnis von militärischen Aktivitäten und zivilem Wiederaufbau. Gerade in hochbrisanten politischen Konfliktregionen wie Afghanistan ist die Frage der Zusammenarbeit zwischen Hilfsorganisationen und Streitkräften ein politisches und operatives Problem.
Die deutschen Nichtregierungsorganisationen haben das Konzept der Provincial Reconstruction Teams (PRTs) in Afghanistan von Anfang an kritisiert, weil zum einen konzeptionell die Mandate von zivilen und militärischen Akteuren vermischt werden. Zum anderen nimmt die Bundeswehr teilweise auch Aufgaben im Bereich des Wiederaufbaus und der Nahrungsmittelhilfe wahr, um die „Herzen und Köpfe“ der Menschen in Afghanistan zu gewinnen.
Dadurch wird aber massiv die Unabhängigkeit der humanitären Hilfe und der Hilfsorganisationen insgesamt gefährdet. Einige humanitäre Organisationen mussten ihre Arbeit in Afghanistan bereits einstellen, weil sie in den Sog des allgemeinen Vertrauensverlustes gerieten und zum Ziel von Anschlägen durch Taliban und andere bewaffnete oppositionelle Gruppen wurden.


Afghanistan-Papier
VENRO-Positionspapier 7/2009
"Was will Deutschland am Hindukusch? - Hilfsorganisationen fordern grundlegenden Kurswechsel in der Afghanistan-Politik" , November 2009
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