betterplace.org

1. Organisationsprofil

Bei betterplace.org handelt es sich um eine Spendenplattform im Internet. Einzelpersonen und Organisationen können dort seit 2007 ihre Projekte vorstellen und gezielt um Spenden werben. Auf der anderen Seite können sich Interessierte austauschen, Projekte unterstützen und bewerten.

2. Organisationsstruktur

betterplace.org ist die Spendenplattform der gemeinnützigen Aktiengesellschaft gut.org gAG. Die gut.org gAG besteht aus den Bereichen betterplace.org und betterplace lab (Forschungs- und Entwicklungsabteilung). Die 100-prozentige Tochtergesellschaft betterplace Solutions GmbH bietet Unternehmen internetbasierte Lösungen an, um ihr soziales Engagement zu verbessern.

Zusammen haben die gut.org und die betterplace Solution 22 Mitarbeiter: elf Vollzeit-, sechs Teilzeit- und fünf ehrenamtliche Mitarbeiter. Zurzeit besteht die gemeinnützige Aktiengesellschaft aus 13 Aktionären, von denen fünf im sechsköpfigen Aufsichtsrat sitzen.

3. Finanzierung

Art der Finanzierung
betterplace hat die Investition in den Aufbau und die Weiterentwicklung der Plattform überwiegend durch Spenden von Großförderern finanziert. Im Jahr 2009 konnten rund 1,2 Millionen und 2010 rund 800 Tausend Euro für die Infrastruktur von betterplace eingeworben werden. Mittelfristig will die gut.org gAG eine nachhaltige Finanzierung durch operative Erlöse aufbauen. Ein bereits etablierter Erlöskanal ist das Mitspenden, bei dem Spender vor Abschluss des Spendenprozesses um eine freiwillige Unterstützung für die Gesellschaft gebeten werden. Zudem werden Gewinne der gewerblichen Tochtergesellschaft betterplace Solutions zu 100 Prozent an die gut.org gAG ausgeschüttet und sollen die Arbeit der Organisation in Zukunft mit finanzieren.

Die Spenden für eingestellte Projekte und eigene Verwaltungskosten werden getrennt gesammelt und separat in den Jahresberichten dargestellt.

Kosten der Dienstleistungen
Die Nutzung der Plattform ist für Spender und Hilfsorganisationen kostenfrei. betterplace.org leitet die Projektspenden in vollem Umfang an die projekttragende Organisation bzw. bei einem Individualprojekt an dessen Projektverantwortlichen weiter. Die Transaktionskosten werden von betterplace getragen.

4. Interne Transparenz

Eigenanspruch und Umsetzung
Die Informationen über Organisationsführung und Finanzierung von betterplace werden offen und transparent kommuniziert. Der Geschäftsbericht, der einen Finanz- und Tätigkeitsbericht umfasst, steht zum Download auf der Webseite. Es gibt keinen eigenen Verhaltenskodex und auch die Satzung ist bisher nicht veröffentlicht. Die Standards werden durch die gesetzlichen Vorschriften für AGs vorgegeben.

5. Transparenzverständnis

Hinter dem Anspruch von betterplace.org, einen Beitrag zur Transparenz im Spendensektor zu leisten, steht der Gedanke, dass Transparenz durch den Informationsaustausch zwischen Privatpersonen verbessert werden kann. Einen Eindruck vermittelt Till Behnke, Mitgründer und Vorstandsvorsitzender der gut.org gAG:

„Das Internet ist ideal, um Menschen und ihr Wissen weltweit zu verbinden. Es bietet exakt das, wonach Spender heutzutage suchen: mehr Transparenz über die Verwendung ihres Geldes und direkten Austausch mit jenen, denen die Spende zugute kommt.“

Anforderungen an die teilnehmenden Organisationen: Bewertungskriterien und -standards
Die Bewertungen der Hilfsorganisationen werden durch die Nutzer der Plattform vorgenommen. Zusammen bilden die Projektbewertungen ein sogenanntes „Web of Trust“. Es besteht aus verschiedenen Akteuren: Projektverantwortlichen, Projektbewertenden und Projektunterstützern, die auf der betterplace-Webseite über ihre Erfahrungen berichten. Mit dem „Web of Trust“ soll nach und nach ein vielfältiges und persönliches Bewertungsnetzwerk für jedes Projekt entstehen. Allgemeine Bewertungskriterien gibt es nicht – die Bewertungen sind subjektiv und den jeweiligen Nutzern überlassen:

„Projekte und ihre Verantwortlichen legen ihre angestrebten Resultate selbst fest. Und Sie als Unterstützer entscheiden, worauf es Ihnen bei der Auswahl eines Projekts ankommt. Sie entscheiden auch, ob die Darstellung des Projekts und seiner Ziele – sowie dessen „Web of Trust“ – Sie durch ihre Unmittelbarkeit, Nachvollziehbarkeit und Authentizität überzeugt. Es gibt nicht nur einen Maßstab, was ein gutes Projekt ausmacht, was zählt ist, Ihr Maßstab.“  

betterplace beschränkt sich dabei auf eine reine Plattformfunktion: Es werden weder eigene Empfehlungen oder Warnhinweise ausgesprochen, noch erfolgt eine durchgängige Überprüfung der Richtigkeit der Bewertungen. Das Nutzerfeedback soll so einen eigenen Kontrollmechanismus bilden. Stichprobenartig werden Kontrollen bezüglich der Plausibilität der Bewertungen durchgeführt.

Möglichkeiten des Einspruchs bei negativen Bewertungen
Die NRO können die Kommentarfunktion nutzen und sich an der offenen Diskussion auf der Plattform beteiligen. Einen offiziellen Einspruchsmechanismus gibt es nicht.

6. Vorteile für und Anforderungen an die Hilfsorganisationen

Organisatorische, technische oder finanzielle Aufgaben und Anforderungen an die beteiligten NRO
Eine Beteiligung erfolgt durch eine einfache Registrierfunktion auf der Webseite. Einen Nachweis über die Organisationsform oder eine Gemeinnützigkeitsprüfung sind nicht notwendig. Gemeinnützige Organisationen aus Deutschland können ihren aktuellen Freistellungsbescheid einsenden, damit die Unterstützer ihrer Projekte eine Zuwendungsbestätigung erhalten können. Die Projekte können mit Bild und Text vorgestellt werden und sollten regelmäßig konkret und anschaulich aktualisiert werden.

Vorteile der Beteiligung

betterplace bietet Hilfsorganisationen eine zentrale Anlaufstelle im Internet, über die weitere Spenden generiert werden können. betterplace spricht, anders als beispielsweise HelpDirect, auch Einzelpersonen und „Mini-Projekte“ an, die für eine eigene Aktion oder ein Projekt Spenden sammeln wollen. Dabei kann die Spendenplattform sowohl der Neuspendergewinnung als auch als „digitale Spendendose“ verwendet werden, indem Projektverantwortliche im bestehenden Online-Umfeld Spenden sammeln. Zudem bietet die Webseite über das „Web of Trust“ eine Plattform für einen kontinuierlichen Austausch mit Spendern und Interessierten, wodurch wiederum Spenden mobilisiert werden können. Organisationen können von Partnernetzwerken profitieren und das Feedback ihrer Förderer kann ihre Glaubwürdigkeit erhöhen. Grundsätzlich gehören die Spenderdaten betterplace. Die Spenderdaten werden auf Wunsch des Spenders an die NRO weitergeleitet. Zudem erfolgt eine Auszahlung der gesammelten Spenden erst nach der Einnahme eines Minimalbetrags von über 20,00 bei gemeinnützigen Organisationen und 50.00 Euro bei allen anderen.

7. Unsere Einschätzung:

Die gut.org gAG mit ihren Bereichen ist eine junge Gesellschaft im Auf- und Ausbau. Es bleibt abzuwarten, wie sich der Ausbau entwickeln wird. Die gewählte Trennung zwischen Einnahmen bzw. Spenden für Projekte und Einnahmen bzw. Spenden für die Verwaltung macht es relativ einfach Aufwand und Leistung in ein Verhältnis zu setzen und sorgt für Transparenz. 2009 lagen die Kosten für alle Aktivitäten der Gesellschaft und insbesondere den Auf- und Ausbau der Spendenplattform, die über gesonderte Spenden gesammelt werden und nicht von den Spenden für die Projekte abgezogen werden, bei etwa 60 Prozent der über die Plattform generierten Projekteinnahmen.
Die Plattform birgt – der bisherigen Entwicklung nach zu schließen – das Potential, eine wichtige Rolle im Bereich der Onlinespenden einnehmen zu können. betterplace hat im Vergleich zu anderen Plattformen einen relativen Bekanntheitsgrad in der Szene erreicht. Derzeit werden über 4.000 Hilfsprojekte auf betterplace vorgestellt. Das große Engagement spiegelt sich auch in der Größe des Teams (22 Mitarbeiter), von dem die einzelnen Aktivitäten der Organisation betrieben wird.

Der Zugang zu transparenten Informationen über die Hilfsorganisationen ist auf anderen Plattformen durch die standardisierte Informationsabfrage vergleichsweise leichter und übersichtlicher. Dagegen regt betterplace mit der Kommentar- und Netzwerkfunktion im Rahmen des „Web of Trust“ die Kommunikation und den Erfahrungsaustausch zwischen Projektträgern und Spendern an.

Zur Webbsite von betterplace.org

Kontakt

Jana Rosenboom

Referentin

Tel.: 030/24632105

j.rosenboom(at)venro.org