CharityWatch

1. Organisationsprofil

Bei CharityWatch handelt es sich um eine Webseite, für deren inhaltliche Bestückung der freie Journalist Stefan Loipfinger verantwortlich ist. Auf diesem Informationsportal werden gemeinnützige, Spenden sammelnde Organisationen bewertet und für „unterstützenswert“ oder „nicht unterstützenswert“ erklärt.

Zielgruppe des Portals sind vor allem die Spender, die sich informieren möchten. Das Portal stellt im Wesentlichen zwei Funktionen zur Verfügung: Zum einen werden Organisationen für eine Spende empfohlen bzw. nicht empfohlen. Die Empfehlungen sind in der Regel von Stefan Loipfinger recherchiert und verfasst. Zum anderen können Externe, also die interessierte Öffentlichkeit, Spender oder Journalisten, über das Portal direkt eine Frage an eine Organisation stellen. Auch die Antwort der Organisation wird dann veröffentlicht, alternativ wird sie rot gekennzeichnet, hat die Organisation die Frage nicht innerhalb der vorgesehenen Sieben-Tage-Frist beantwortet und bleibt solange rot, bis die Frage beantwortet ist.

2. Organisationsstruktur

CharityWatch ist ein familiärer Zwei-Mann-Betrieb. Die Webseite wird hauptverantwortlich von Stefan Loipfinger betrieben. Unterstützt wird der freie Journalist und Einzelunternehmer durch seine bei ihm fest angestellte Schwester und fünf freie Mitarbeiter. Die Webseite besteht seit 2008, da es sich bei ihrem Betreiber um einen freien Journalisten und nicht um eine juristische Person handelt, gibt es kein Kontrollgremium. Herr Loipfinger ist Mitglied im Bayrischen Journalistenverband, der wiederum Träger des Deutschen Presserats ist, welcher über einen Pressekodex verfügt . Der Presserat besitzt ein Kontrollorgan, welches aber nur aufgrund von konkreten Beschwerden aktiv wird.

3. Finanzierung

Finanziert wird die Plattform vor allem aus der Erwerbstätigkeit von Herrn Loipfinger andernorts, seit einiger Zeit gibt es zudem die Möglichkeit, für einen „persönlichen Newsletter“ eine freiwillige Abonnementgebühr zwischen einem und 20 Euro zu entrichten. Laut Webseite soll dieser Betrag vor allem dafür genutzt werden, um „die gerichtlichen Auseinandersetzungen“ und „die Kosten für vor-Ort-Recherchen und all die anderen Ausgaben, die der Betrieb eines solchen Online-Portals mit sich bringt“ zu finanzieren.

4. Interne Transparenz

Die Einnahmen im Rahmen der freiwilligen Abonnementgebühr sollen erstmals in einem Finanzbericht für 2011 veröffentlicht werden. Derzeit liegt weder ein Finanzbericht noch ein Jahresabschluss- oder Tätigkeitsbericht vor. Letzteres ist nach Auskunft von Herrn Loipfinger auch nicht geplant. Maßgebliche Einnahmen oder Beteiligungen mit einer Relevanz für den Betrieb der Webseite liegen nicht vor.

5. Transparenzverständnis

Das Ziel von CharityWatch ist, einen „Beitrag zur Verbesserung der Spendenkultur in Deutschland zu leisten“. Transparenz ist ein Stichwort, welches auf der Webseite immer wieder auftaucht, eine nähere Erläuterung gibt es nicht. Hilfreich für ein Verständnis könnten vielleicht die folgenden Passagen sein:

„Jeder Spender möchte sein Geld so verwendet wissen, wie es der Zweck und die Werbung einer Non-Profit-Organisation verspricht. Darüber sollte völlig selbstverständlich Bericht erstattet werden – am Besten grundsätzlich im Internet, weil dadurch die geringsten Kosten entstehen.“

„Sowohl für die Charityorganisationen als auch für die Spendenwilligen muss die Informationsbereitstellung sowie deren Abruf kostenlos sein.“

„Breit auf viele Homepages gestreute Informationen sind nur ein erster Schritt für mehr Transparenz im Spendenmarkt. Erst eine zentrale Datenbank mit Eckdaten von den Vereinen und Stiftungen sowie auch eventuellen kritischen Drittmeinungen ermöglicht es, sich wirklich transparent zu informieren“.

„Meist aus zeitlichen Gründen ist es für einen Spender nicht möglich, die Jahresberichte und andere Unterlagen von verschiedenen Organisationen auszuwerten. Deshalb versucht CharityWatch.de, bei möglichst vielen eine Sichtung und Bewertung vorzunehmen.“

6. Vorteile für und Anforderungen an die Hilfsorganisationen

Externe Transparenz: Bewertungskriterien und -standards
Es gibt keine allgemeinen, öffentlichen Standards für die einzelnen Bewertungen oder die Entscheidung über eine Empfehlung oder Nicht-Empfehlung. Bis auf die weiter oben genannten Passagen finden sich auf der Webseite nahezu keine Informationen über die Grundlagen und die zu einer Entscheidung führenden Prinzipien. Die Entscheidungshoheit – und die rechtliche Verantwortung – liegen bei Stefan Loipfinger. Er beansprucht, die Gründe für die Empfehlung in der jeweiligen Veröffentlichung bzw. Bewertung anzugeben, der Leser soll die Erkenntnisse nachvollziehen und dann entscheiden, ob er sie auf Grundlage der vorliegenden Informationen teilt oder nicht.
Auch über die Auswahl der zu prüfenden Organisationen und/oder den Umfang der Prüfung entscheidet Herr Loipfinger alleine. Eine Prüfung auf Anfrage ist nicht möglich.
Fühlt sich eine Organisation nicht richtig dargestellt oder zu Unrecht verurteilt, so muss sie eine Gegendarstellung verlangen oder bei eventuellen falschen Tatsachenbehauptungen eine Unterlassung fordern.

Datenschutz
Art und Umfang der Nutzung der personenbezogenen Daten stehen im Einklang mit dem Bundesdatenschutzgesetz (BDSG). Eine Weitergabe von Daten an Dritte erfolgt nicht ohne die Einwilligung des Nutzers.

7. Unsere Einschätzung:

Positiv darf die kostenlose Bereitstellung der Informationen gewertet werden. Auch die Aussage, dass selbst dem interessierten Spender oft Zeit und Muße fehlen, um sich einen umfassenden Überblick zu verschaffen und verschiedene Spendenorganisationen miteinander zu vergleichen, teilen wir.

Stutzig macht uns die Selbstverständlichkeit, mit der Stefan Loipfinger eine Beurteilung über eine unterstützenswerte bzw. nicht unterstützenswerte Organisation schreibt. Das Portal liest sich einerseits wie eine private Kolumne, mit ganz persönlichen Einschätzungen, erhebt anderseits in Wort und Titel – in sprachlicher Anlehnung an bekannte Organisationen wie Human Rights Watch oder Abgeordnetenwatch – den Anspruch, eine „zentrale Datenbank mit Eckdaten von den Vereinen und Stiftungen“ zu sein, die es dem Spender ermöglicht, „sich wirklich transparent zu informieren“.

Eine Organisation und auch eine Privatperson, die letzteren Anspruch vertritt, sollte mindestens über eine systematische und transparente Grundlage für den Vergleich der Organisationen verfügen. Auch wäre es wünschenswert, dass Bewertungsstandards in einem Dialog mit den betroffenen Organisationen entwickelt werden – oder zumindest in Anlehnung an bestehende anerkannte Standards, wie beispielsweise die Kriterien des DZI oder des VENRO-Verhaltenskodex. In jedem Falle aber sollten sie transparent gemacht werden.

Wird dieser Anspruch gar nicht erhoben und begnügt sich Herr Loipfinger mit einem privaten, kolumnistischen Stil, darf er sich nicht wundern, dass Spenden sammelnde Organisationen vor einer Beteiligung zurückschrecken. Mit einer steigenden Nutzung und einem steigenden Bekanntheitsgrad – es lässt sich nicht einschätzen, wie hoch dieser derzeit ist – wachsen auch unsere Ansprüche an die Standards  von CharityWatch.

Stellungnahme von Stefan Loipfinger:

VENRO hat CharityWatch.de vor Veröffentlichung diese Einschätzung zur Kenntnis gebracht. Dazu möchten wir feststellen, dass das hier angelegte Bewertungsschema nicht auf eine journalistische Berichterstattung wie die von CharityWatch.de passt. Journalismus unterliegt strengen rechtlichen Vorgaben und muss sich gegebenenfalls vor Gericht verantworten. Es gibt einen Pressekodex, der auch von CharityWatch.de befolgt wird. Wir recherchieren und veröffentlichen die Ergebnisse. Die Rechercheergebnisse sind für jedermann nachlesbar und können in seine eigene Spendenentscheidung einbezogen werden. Ein festes Beurteilungsraster, wie es beispielsweise dem DZI-Spenden-Siegel zu Grunde liegt, kann CharityWatch.de nicht anlegen, weil wir ohne Auftrag durch eine Spendenorganisation arbeiten. Auch ein DZI, das nun endlich öffentliche Warnungen vor zweifelhaften Organisationen ausspricht, gibt in diesen Fällen nur eine Meinungsäußerung ab. Nichts anderes tut CharityWatch.de, was in jedem Einzelfall in Form der veröffentlichten Rechercheergebnisse begründet wird. Das gefällt nicht jedem, ist aber notwendig, damit mehr Spendengelder dort ankommen, wo sie für die versprochene Hilfe eingesetzt werden.

Rosenheim, 23. November 2011               Stefan Loipfinger

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Kontakt

Jana Rosenboom

Referentin

Tel.: 030/24632105

j.rosenboom(at)venro.org