PHINEO
1. Organisationsprofil
PHINEO versteht sich als „Analyse- und Beratungshaus“, welches gemeinnützige Projekte und Organisationen nach wirkungsbezogenen Kriterien bewertet und diese Informationen sozialen Investoren (Unternehmen, Stiftern, Spendern), gemeinnützigen Organisationen und allen anderen Interessierten zur Verfügung stellt. Alle auf der Webseite vorgestellten Organisationen und ihre Projekte haben eine vierstufige PHINEO-Analyse durchlaufen und werden von PHINEO empfohlen. Die Webseite bietet eine Suchmaschine an, die die Projekte z.B. nach Themenfeldern, Wirkungsregionen filtert. Der interessierte Investor kann sich dort informieren und direkt über die Webseite spenden. Neben der Information über die Webseite veröffentlicht PHINEO Themenreporte, Projektportraits und Ratgeber.
2. Organisationsstruktur
PHINEO ist eine gemeinnützige Aktiengesellschaft (gAG). Idee und Durchführung lagen zunächst bei der Bertelsmann Stiftung, bis diese das eigene Projekt als gAG in die Unabhängigkeit entließ .
Der sechsköpfige Aufsichtsrat wird von der Hauptversammlung gewählt. Seine Aufgabe ist es, den PHINEO-Vorstand zu kontrollieren. Dazu lässt sich der Aufsichtsrat vom Vorstand mindestens zwei Mal im Jahr über die bisherige und geplante Entwicklung der Organisation berichten. Darüber hinaus muss der Aufsichtsrat den in der Satzung definierten Geschäften, wie z.B. der Erschließung neuer Geschäftsfelder, zustimmen. Die Vorsitzende des Aufsichtsrates ist Frau Dr. Brigitte Mohn, Mitglied des Vorstandes der Bertelsmann Stiftung. Gemäß Aktiengesetz hat der Aufsichtsrat eine kontrollierende Funktion und keinen Einfluss auf die operative Arbeit der Aktiengesellschaft. In einem Beirat engagieren sich Experten und prominente Persönlichkeiten. Der Beirat soll die Aktivitäten von PHINEO mit inhaltlicher Expertise und einem unabhängigen Blick begleiten.
Gesellschafter sind die Bertelsmann Stiftung (12 % Aktienanteil), die Deutsche Börse Group (12% Aktienanteil), die Stiftung Mercator (4% Aktienanteil), KPMG AG (4% Aktienanteil), New Philanthropy Capital (4% Aktienanteil), der Stifterverband für die deutsche Wissenschaft (4% Aktienanteil), der Aktive Bürgerschaft e.V. (4% Aktienanteil), PricewaterhouseCoopers AG (4% Aktienanteil) (seit August 2011) sowie eine Privatperson (4%Aktienanteil). Die Beteiligungsverhältnisse und die finanziellen Leistungen der einzelnen Partner hat PHINEO auf der Webseite veröffentlicht . Bei der Hauptversammlung besitzen die Gesellschafter Stimmrechte gemäß ihrer Aktienbeteiligungen. Daneben haben sich die Gesellschafter in einer Poolgesellschaft (PHINEO POOL GbR) zusammengeschlossen, um ihre Förderung der PHINEO gAG gemeinsam zu regeln. Die Pool GbR hält 48% der Aktien der PHINEO gAG. Die Einlagen der Gesellschafter sind unterschiedlich hoch. Damit es keine beherrschende Stellung einzelner Gesellschafter gibt, wurden die Stimmrechte von der Einlagenhöhe entkoppelt und so umgelegt, dass eine größere Stimmgleichheit unter den Partnern gewährleistet ist.
3. Finanzierung
Art der Finanzierung
Die PHINEO gAG erhält ihre Einnahmen (ca. 2,2 Millionen Euro pro Jahr) im Wesentlichen durch ihre Gesellschafter (1,9 Millionen Euro pro Jahr). Neben den Einnahmen durch die Gesellschafter und durch weitere Förderer erzielt PHINEO Einnahmen durch Kooperationen mit diversen Organisationen.
Kosten der Dienstleistungen
Die Analyse und Empfehlung durch PHINEO ist für die gemeinnützigen Organisationen kostenfrei. Die eingenommenen Spenden werden ohne Abzug weitergeleitet. Alle Inhalte der Themenreports, Ratgeber und Projektportraits stehen kostenlos als Orientierungshilfen für Soziale Investoren zur Verfügung. Individualisierte Beratungen Sozialer Investoren (z.B. Aufbau einer Förderstrategie oder Auswahl eines Förderprojekts) sind für diese i.d.R. kostenpflichtig.
4. Interne Transparenz
Eigenanspruch und Umsetzung
PHINEO veröffentlicht wesentliche Informationen zur eigenen Arbeit (Satzung, Finanz- und Tätigkeitsbericht ) im Rahmen eines Jahresberichtes sowie (seit November 2011) im Internet. Darüber hinaus steht ein Bericht über die eigene Arbeitsweise und angewandte Methoden im Internet zur Verfügung.
Es gibt interne Leitlinien für die Umsetzung des Bundesdatenschutzgesetzes (BDSG) sowie Leitlinien für die Auswahl und Zusammenarbeit mit Partnern. Beide sollen in Kürze veröffentlicht werden.
PHINEO wird durch eine Wirtschaftprüfungsgesellschaft geprüft und ist Mitglied der Initiative Transparente Zivilgesellschaft.
5. Transparenzverständnis
Die Steigerung von Transparenz im dritten Sektor ist zentrales Thema von PHINEO. Speziell zielt die gemeinnützige Organisation darauf ab, die Transparenz im Bereich der Wirkungen gemeinnütziger Arbeit zu verbessern. Die von PHINEO erstellten Empfehlungen basieren daher zu einem großen Teil auf der Wirkungsanalyse einer Organisation und ihrer Projekte und sollen den Spendern und sozialen Investoren, aber auch den gemeinnützigen Organisationen selbst, als Orientierungshilfe dienen.
Zudem ist Transparenz Querschnittsthema der Analysekriterien, anhand derer die gemeinnützigen Organisationen analysiert werden. PHINEO hat sich bei der Ausarbeitung der eigenen Prüfkriterien an den DZI Spenden-Siegel-Leitlinien, dem PwC-Leitfaden zum Transparenzpreis und dem VENRO-Verhaltenskodex orientiert.
Anforderungen an die teilnehmenden Organisationen: Bewertungskriterien und -standards
Die Analysen werden von den PHINEO-Mitarbeitern vorgenommen. Dabei gilt das Vier-Augen-Prinzip. Zum Teil werden externe Berater hinzugezogen. Die Analyseergebnisse werden anschließend von einer unabhängigen „Empfehlungskommission “ überprüft und freigegeben.
Die Analysen basieren auf neun Kriterien, drei zum „Wirkungspotential“ des Projektes (zu Zielen und Zielgruppen, Konzept und Ansatz sowie zur Qualitätsentwicklung) und sechs zur Leistungsfähigkeit der Organisation (zu Vision und Strategie, Leitungsgremium und Personalmanagement, Aufsichtsgremien, Finanzen und Controlling, Finanzierungskonzept und Öffentlichkeitsarbeit). Die Kriterien sind auf der Webseite einsehbar . Vor einer Bewertung der Wirkung analysiert PHINEO das Aktionsumfeld, in dem sich die entsprechende Organisation bewegt. Diese Analyse ist die Basis für die Einschätzung des so genannten Wirkungspotentials.
Möglichkeiten des Einspruchs bei negativen Bewertungen
PHINEO spricht ausschließlich Empfehlungen aus. Berichte über Projekte und Organisationen, die den Anforderungen nicht entsprechen, werden nicht veröffentlicht.
6. Vorteile für und Anforderungen an die Hilfsorganisationen
Organisatorische, technische oder finanzielle Aufgaben und Anforderungen an die beteiligten NRO
Zeitaufwand: Um von PHINEO geprüft und empfohlen zu werden, muss man sich bewerben: Hierfür ist zunächst ein Online- Fragebogen auszufüllen. In späteren Phasen werden weitere Dokumente geprüft; auch persönliche Gespräche finden statt.
Technische Anforderungen: Das Ausfüllen des Fragebogens und das Übersenden der Dokumente erfolgen online. In Ausnahmefällen wird eine Übersendung in Form ausgedruckter Dokumente zugelassen.
Kosten: Die Analyse durch PHINEO ist kostenfrei und steht jeder gemeinnützigen Organisation offen, die sich im Rahmen einer öffentlichen Ausschreibung zu einem Thema bewirbt.
Vorteile der Beteiligung
Die Beteiligung am Analyseverfahren birgt für Organisationen den Vorteil, eine externe Einschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit und des Wirkungspotentials zu erhalten. Von dem Feedback der Analysten können Organisationen lernen. Im Falle einer Empfehlung werden die Ergebnisse zudem als Projektportrait bereitgestellt und auf der Webseite von PHINEO veröffentlicht. Dies ist mit einer Spendenfunktion verbunden. Zudem versucht PHINEO, den empfohlenen Projekten über die Darstellung im Internet hinaus Öffentlichkeit zu bieten, indem Projekte z.B. für die Präsenz auf Veranstaltungen Dritter vorgeschlagen oder in der Medienarbeit präsentiert werden. Jede Organisation erhält zudem Hinweise, wie sie die PHINEO-Empfehlung in der Eigen-PR und im Fundraising einsetzen kann.
7. Unsere Einschätzung:
Mit dem Anspruch, Spenderinnen und Spendern, Stifterinnen und Stiftern sowie Unternehmen eine Orientierung für ihr gemeinnütziges Engagement zu geben, will PHINEO Förderer unterstützen, die über ein größeres finanzielles Engagement nachdenken. Da die Informationen jedermann zugänglich sind, können sie von allen Interessierten genutzt werden. , Der wirkungsorientierte Ansatz ergänzt dabei die Orientierungshilfen von DZI, PwC und anderen. Der mehrstufige Aufbau des Analyseverfahrens und die angelegten Kriterien erscheinen sachgerecht. Hinzu kommt, dass PHINEO mit seinen Kapazitäten eine Brücke zwischen einer quasi wissenschaftlichen Analyse des Umfelds und einer praxisnahen Bewertung der Organisationsarbeit leistet. Hinter diesem Vorgehen stecken Ressourcen, insbesondere solche von großen Unternehmen, die nur wenigen anderen prüfenden Organisationen offen stehen. Bisher richtet PHINEO nur auf Themenbereiche und Projekte sozialer und pädagogischer Arbeit in Deutschland aus, ob eine entwicklungspolitische Wirkungsanalyse mittelfristig möglich sein wird, ist unklar.



