Das Engagement von PricewaterhouseCoopers (PwC)
1. Organisationsprofil
Die PricewaterhouseCoopers (PwC) ist ein Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen und in Deutschland eine Aktiengesellschaft (AG) nach deutschem Recht.
Im Jahr 2005 hat PwC in Kooperation mit der Georg-August-Universität Göttingen den Transparenzpreis für deutsche Spenden sammelnde Organisationen ins Leben gerufen. Im Rahmen eines Wettbewerbs werden die Gewinner für ihre Berichterstattung ausgezeichnet, die „in vorbildlicher Weise öffentlich über ihre Ziele, Struktur, Projekte und ihre Finanzlage“ informieren. Mit dem Preis wird laut Webseite des Unternehmens das Ziel verfolgt, den Organisationen „auf Basis eines praxisorientierten und stetig weiterentwickelten Kriterienkatalogs Hilfestellung für eine transparente und vergleichbare Berichterstattung innerhalb des Sektors zu geben“.
Da sich die Berichterstattung Angaben von PwC zufolge in den vergangenen Jahren stark verbessert hat und die Finalisten sich allesamt auf einem ähnlich guten, sehr hohen Niveau befinden, wird der Preis seit 2010 nur noch alle zwei Jahre ausgeschrieben. Stattdessen erarbeitete PwC im Jahr 2011 einen Fragenkatalog für kleinere Spenden sammelnde Organisationen, welcher als Basis für deren Berichterstattung eine Hilfestellung in Form eines „Selbstcheck“ bieten soll.
2. Organisationsstruktur
Die Analyse der Berichterstattung im Rahmen des Transparenzpreises wird von der Universität Göttingen vorgenommen, unter der Leitung von Prof. Dr. Lothar Schruff. Das Team um Prof. Schruff benennt aus den eingereichten Bewerbern zehn Finalisten. Eine vierköpfige Jury wählt schließlich unter diesen die drei Gewinner des Transparenzpreises.
3. Finanzierung
Der Transparenzpreis und die damit verbundene fachliche Entwicklung eines Reporting Standards sowie die Analysetätigkeiten werden von PwC im Rahmen der Corporate Responsibility pro bono angeboten. Welche Kosten PwC dabei entstehen, ist unklar.
4. Interne Transparenz
Eigener Transparenzanspruch
Die rechtlichen Vorschriften zur Offenlegung von Informationen sind für eine Aktiengesellschaft klar geregelt nicht mit denen gemeinnützig tätiger Organisationen vergleichbar. Wirtschaftsprüfungsgesellschaften sind zusätzlich berufsrechtlichen Regelungen wie z.B. der Regelungen der WPO (Wirtschaftsprüferordnung) verpflichtet. PwC veröffentlicht selbst regelmäßig einen Geschäftsbericht, einen Transparenzbericht und einen Nachhaltigkeitsbericht , wobei der Transparenzbericht aufgrund gesetzlicher Regelungen Pflicht für Wirtschaftsprüfungsgesellschaften ist.
5. Transparenzverständnis
Genereller Beitrag zu mehr Transparenz
PwC sieht es als sinnvoll an, die eigene Kernkompetenz als Wirtschaftsprüfungsgesellschaft für die Entwicklung eines Reporting-Standards für gemeinnützige Organisationen einzubringen. Durch das Kerngeschäft der Wirtschaftsprüfung möchte PwC „zu mehr Transparenz und überprüfbarer Berichterstattung bei“ tragen. Basis der Analyse im Rahmen des Wettbewerbs um den Transparenzpreis ist ein gemeinsam mit der Universität Göttingen entwickelter Kriterienkatalog. Der Katalog ist öffentlich auf der Webseite von PwC einsehbar und gliederte sich 2010 entlang der Kriterien „Verfügbarkeit und Aktualität“, „Kommunikationswert“, „Tätigkeitsbericht“, „Finanzielle Berichterstattung“, „Corporate Governance“ und „Informationen über zukünftige Sachverhalte“ . Der Transparenzpreis ist nach Angaben von PwC auch eine Reaktion auf die „lückenhaften“ gesetzlichen Vorschriften.
Mit der Auswertung der Berichterstattung legen PwC und die Universität Göttingen außerdem jährlich eine kurze Analyse der Gesamtleistung der sich beteiligenden Organisationen vor, aus der die Weiterentwicklung der Spenden sammelnden Organisationen hinsichtlich der definierten Transparenzkriterien in den vergangenen fünf Jahren ersichtlich ist.
6. Vorteile für und Anforderungen an die Hilfsorganisationen
Organisatorische, technische oder finanzielle Aufgaben und Anforderungen an die beteiligten NRO
Der Transparenzpreis richtet sich nur an Spenden sammelnde Organisationen, die Einnahmen im ideellen Bereich von mehr als einer Millionen Euro nachweisen können. Weitere Teilnahmevoraussetzungen sind der Gemeinnützigkeitsnachweis und das Testat eines Abschluss- oder Rechnungsprüfers. Die Bewerbung erfolgt nach Ausschreibung, in der die Modalitäten und die jedes Jahr überarbeiteten Kriterien festgelegt werden.
Alle teilnehmenden Organisationen erhalten pro bono eine individuelle Analyse ihrer Berichterstattung, die nicht veröffentlicht wird und den Organisationen zugeschickt wird. Die Analyse weist Stärken ebenso wie Verbesserungspotenzial v.a. im Hinblick auf die Transparenz von Organisation und Prozesse der Spenden sammelnden Vereine und Stiftungen auf.
In den ersten Jahren hat vor allem die Anpassung der Jahresberichte an die PwC-Transparenzpreiskriterien eine Menge Mehraufwand für die Organisationen bedeutet. Die größten Organisationen haben diese Umstellung inzwischen vollzogen, der Arbeitsaufwand ist nach der allgemeinen Umstellung nicht mehr hoch.
7. Unsere Einschätzung:
Der Transparenzpreis hat einen Beitrag dazu geleistet, dass die großen Spendenhilfswerke ihre Berichterstattung und die damit verbundenen internen Strukturen und Prozesse professionalisiert und verbessert haben. VENRO und das DZI haben inzwischen mit dem Verhaltenskodex und den Spenden-Siegel-Leitlinien inhaltlich nachgezogen und eigenständige, dichte Vorlagen für die Berichterstattung präsentiert. Diese entstanden zum Teil in Anlehnung an die Kriterien von PwC. Die Bewertungen der vergangenen Jahre zeigen außerdem, dass die Finalisten in der Qualität ihrer Berichterstattung so nah beieinander lagen, dass eine Benennung von ersten Plätzen kaum noch Sinn macht. Daraus scheint PwC ja mit dem diesjährigen Aussetzen und der Konzentration auf kleinere Organisationen die Konsequenzen zu ziehen.



